e


HERAT-TEPPICH MIT SPIRALRANKEN UND TIEREN

Kat. Nr. 80
Ostpersien,
Herat, Mitte 16. Jahrhundert
744 x 350 cm
Kette, Schuss Seide
Knoten Wolle, asymmetrisch
Knotendichte 5200
Inv. Nr. T 8334/1922 KB


Die Wiener Sammlung besitzt drei Herat-Teppiche mit Spiralranken und Tieren von außerordentlicher Qualität. Sie gehören auf Grund ihres Materials und der differenzierten Gestaltung zu den höfischen Teppichen der 1. Hälfte des 16. Jh. Bei der Übernahme aus dem Kaiserhaus erhielt das Museum auch ein Pendant, welches sich, 1925 verkauft, heute im Metropolitan Museum of Art in New York befindet. Das auf einem Viertelkarton beruhende Feldmuster besteht aus zwei Rankensystemen, dazwischen einzelne Tiere und Tierkampfgruppen: Fabelwesen aus der chinesischen Sagenwelt wie Drache oder Khilin, aber auch reale Tiere wie Löwe, Leopard, Tiger, Schakal, Rind, Steinbock und Vögel. Die Hauptborte beleben chinesisch inspirierte Wolkenbänder, in größere Palmetten sind Löwenmasken eingeschrieben. An den Außenkanten ist je eine kleine Menschenmaske verborgen. Die innere Begleitborte zeigt langgestreckte Kartuschen mit Nastalik-Schrift. Verse, die offenbar erst für diesen Zweck erdacht wurden. Sie vergleichen den Teppich mit einer Wiese und dem Himmel, von Blumen und Edelsteinen ist die Rede. Der Text schließt mit dem Segensspruch auf einen nicht genau bezeichneten Schah. Zweifellos stehen hinter den Kartons der Spiralranken-Teppiche mit Tieren begabte Maler, die nur als Hofkünstler vorstellbar sind. Für diese Teppichgruppe wird Herat in Ostpersien, ehemals die timuridische Hauptstadt, als Entstehungsort angenommen – besonders auf Grund der offensichtlich chinesischen Einflüsse. Dokumente für eine Teppichproduktion in Herat im 16. Jh. fehlen. Sie scheint einigen Forschern unwahrscheinlich, da die Usbeken Herat 1506/07 und 1528/29 eroberten und Künstler und Handwerker nach Buchara mitnahmen. Spiralranken-Teppiche mit Tieren zeigen motivische und stilistische Übereinstimmungen mit den Seidenteppichen des 16. Jh., die in Kaschan und später in Isfahan – unter Schah Abbas I. ab 1599 Hauptstadt des Reiches – geknüpft wurden (vgl. Kat. Nr. 70–76). Eine Lokalisierung der sog. Herat-Teppichgruppe in diese Region bedarf jedoch beweiskräftiger Dokumente.
back
next
|intro |Mamluk |Ottoman |Persia:NE|NW |E |S |Central |19th Century |India |Turkey |Central Asia |Caucasus |Prayer Rugs