BAGHDAD
Al-Mansur, der erste Khalif der Abbasiden, ließ 762 n. Chr. am Westufer des Tigris eine neue Hauptstadt für das Islamische Reich errichten, die er Madinat as-Salam (Stadt des Friedens) nannte. Aus der rund angelegten Stadt, die durch Prachtstraßen in die vier Himmelsrichtungen in vier Viertel geteilt wurde, entwickelte sich eine der bedeutendsten Städte der arabischen Welt, die bald nur noch Baghdad ("die Runde") genannt wurde.
Die Stadt beherbergte eine Fülle bedeutender Moscheen und Paläste der Khalifen. Sie wuchs so rasch, dass bereits unter Khalif Harun ar-Rashid (786-809) eine Vorstadt am Ostufer des Tigris anlegen ließ, der mit einer Brücke mit der Altstadt verbunden war. Unter Khalif Maamun wurde in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts nach Christi mit dem Bait al-Hikma ("Haus der Weisheit") eine Art früher Universität eröffnet, 1065 folgte eine Hochschule für islamisches Recht.
Die Stadt litt jedoch im 13. Jahrhundert sehr unter den Angriffen der Mongolen und wurde 1258 vom Mongolenherrscher Hülägü, einem Enkel Dschingis Khans, völlig zerstört. Die Stadt wurde aber wiederaufgebaut, wenn sie auch aufgrund der Aufsplitterung des islamischen Reiches nie mehr die Bedeutung einer Hauptstadt der gesamten Umma, der islamischen Gemeinschaft, erreichen konnte.
Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts stand Baghdad, wie der gesamte heutige Iraq unter der Herrschaft der Osmanen und kam nach dem ersten Weltkrieg unter britisches Protektorat. Zwar regierten haschemitische Könige das Land, de facto konnte aber kaum etwas ohne die Zustimmung der Briten geschehen. So gelang es den Briten auch die arabisch-nationalistische Regierung unter Rashid Ali, die mit dem nationalsozialistischen Deutschland zusammenarbeitete und zum Kreuzzug gegen Europäer und Juden aufgerufen hatte, nach militärischen Auseinandersetzungen im Mai 1941 zu stürzen und eine pro-britische Regierung an die Macht zu bringen.
Die folgenden pro-britischen Regierungen erregte in den Fünfzigerjahren zunehmend das Missfallen der iraqischen Bevölkerung, aber auch der Armee, die am 14. Juli 1958 unter den "Freien Offizieren" um Abd al-Karim Qasim und Abd al-Salam Arif gegen die Regierung und die Monarchie putschte. Schon bald kam es zwischen dem eher sozialistisch orientierten Flügel um Qasim und dem eher panarabisch-nationalistisch orientieren Flügel um Arif zu Auseinandersetzungen, zu denen auch noch das Drängen der Irakischen Kommunistischen Partei (IKP) kam, möglichst rasch ein sozialistisches System im Iraq zu etablieren. Die Irakische Kommunistische Partei konnte zu diesem Zeitpunkt fast als einzige politische Partei über eine gut organisierte AnhängerInnenschaft verfügen und stellte die stärkste KP in der gesamten arabischen Welt dar. Die Frage einer sofortigen Vereinigung des Iraq mit Ägypten und Syrien stellte einen der Hauptstreitpunkte zwischen Arif, den Nasseristen und der nationalistischen Baath-Partei auf der einen und Qasim und der IKP auf der anderen Seite dar. Dabei war die Ablehnung einer sofortigen Vereinigung durch die IKP und Qasim weniger grundsätzlicher Natur, als eine Folge der schlechten Erfahrungen mit den arabisch-nationalistischen Regimes in Ägypten und Syrien. Die Führer der syrischen Baath-Partei Michel Aflaq und Jamal al-Atasi hatten bereits 1956 in einem internen Parteidokument die Unvereinbarkeit des kommunistischen Internationalismus mit ihrem arabischen Nationalismus betont. In Ägypten ließen die "Freien Offiziere" unter Gamal Abd an-Naser die KommunistInnen rücksichtslos unterdrücken.
Den internen Machtkampf konnte vorerst Abd al-Karim Qasim für sich gewinnen, auf den Straßen wurden jedoch in den Folgemonaten immer wieder KommunistInnen von Schlägertrupps der Baath-Partei überfallen, es folgten Demonstrationen beider Lager und ein fehlgeschlagenes Attentat von Baathisten auf Abd al-Karim Qasim.
Qasim wurde schließlich von einer Allianz arabischer Nationalisten und Baathisten aus dem Amt geputscht und ermordet. Der ursprünglich unterlegene Abd al-Salam Arif wurde neuer Präsident des Iraq. Unter seiner Regierung wuchs die Macht der Baath-Partei in der sich schließlich Saddam Hussein immer mehr als starker Mann durchsetzen konnte. Unter seiner Herrschaft wurden die linke Opposition und die kurdischen Parteien im Nordiraq rücksichtslos verfolgt. Saddam Hussein schaffte es die größte Kommunistische Partei der arabischen Welt innerhalb weniger Jahre fast völlig zu vernichten. Viele Kader und einfache AktivistInnen wurden ermordet oder verschwanden ohne Gerichtsverfahren in überbelegten Massengefängnissen, andere konnten noch rechtzeitig ins Exil flüchten. Saddam Hussein hatte zwar in den Anfangsjahren einige wirtschaftliche Erfolge mit der Verstaatlichung des Erdöls zu feiern und näherte sich trotz der Verfolgung der KommunistInnen der Sowjetunion an, wendete sich aber bald wieder den USA zu, deren Unterstützung er im Golfkrieg (1980-1988) gegen den Iran genoss.
Die Politik des Baath-Regimes richtete sich nicht nur in antisemitischer Weise gegen die Lieblingsfeinde Saddam Husseins, die Juden, von deren einst über 120.000 Menschen zählenden Gemeinde heute nur noch rund 50 Menschen im Iraq leben, sondern auch gegen die kurdische Minderheit im Norden des Landes. Die kurdischen Parteien wurden ebenso verfolgt wie arabische RegimegegnerInnen. Traurige Bekanntheit erlangte 1988 der Giftgasangriff auf kurdische Städte im Nordirak.
Nachdem der Iraq 1990 Quwait besetzt hatte wendete sich die USA von ihrem ehemaligen Verbündeten ab. Seit die USA und ihre Allierten die Militärmaschinerie des Iraq besiegt und dem Land ein strenges Wirtschaftsembargo verordnet haben, sind große Teile der Infrastruktur des Landes zusammengebrochen. Während Saddam Hussein nach dem Krieg die Aufstände im Süden des Landes unterdrücken konnte, gelang es den kurdischen Parteien Teile des Nordiraks zu befreien. Allerdings kam es seither innerhalb der zwei wichtigsten kurdischen Parteien des Iraq zu Auseinandersetzungen, was zu einer Zersplitterung des kurdisch verwalteten Gebietes führte. Abgesehen von den kurdischen Gebieten scheint die Opposition im Lande jedoch trotz der finanziellen Unterstützung von außen schwach zu sein.
