BAKU
Baku ist eine moderne Industriestadt mit langer Geschichte und seit der Unabhängigkeit Azerbeidschans, die Hauptstadt der unabhängigen Republik.
Die Stadt, die zur Zeit des zaristischen Russlands zu den fortschrittlichsten Intellektuellenstädten des Russischen Reiches zählte, ist heute eine von der Erdölindustrie geprägte Industriestadt.
Die einst multikulturelle und religiöse Metropole hat durch den Nationalismus in den postsowjetischen Kaukasusrepubliken vieles von ihrem kosmopolitischen Charakter eingebüßt.
Seit sich die Auseinandersetzungen um die armenischen Enklave Berg Karabach in den letzten Jahren der Sowjetunion immer mehr zuspitzte, wurde es in Baku für die urbane armenische Minderheit zunehmend ungemütlicher. Zwischen 1988 und 1990 kam es in Baku und anderen azerbeidschanischen Städten zu Pogromen gegen die armenische Bevölkerung.
Fast die gesamte armenische Bevölkerung Bakus flüchtete. Angesichts der historischen Ängste vor "den Türken", denen die sprachlich eng verwandten AzerbeidschanerInnen von armenischer Seite zugerechnet werden, sahen sie für sich keinen Platz mehr in einem azerbeidschanischen Nationalstaat. Insgesamt flüchteten über 300.000 ArmenierInnen von Azerbeidschan nach Armenien, aber auch rund 190.000 AzerbeidschanerInnen von Armenien nach Azerbeidschan.
Nach der Ünabhängigkeit Azerbeidschans haben auch Teile der russischen und jüdischen Stadtbevölkerung Baku verlassen, was zusammen mit der Ansiedlung der azerbeidschanischen Flüchtlinge zu einer beschränkten ethnischen Homogenisierung der einst kosmopolitischen Metropole führte.
Das Erdöl brachte dem jungen azerbeidschanischen Staat zwar einen gewissen Aufschwung, der jedoch überwiegend in der korrupten Bürokratie des zwar formal demokratischen, de facto aber autokratisch regierten Landes versickert. Der Zugang zum Reichtum Azerbeidschans beschränkt sich weitgehend auf die Günstlinge des Präsidenten Heidar Alijew. Zudem verschlingt der schwelende Konflikt mit Armenien bzw. der armenischen Enklave Berg-Karabach immer noch Unsummen für die militärische Aufrüstung des Landes.
Kulturell, wirtschaftlich und politisch, hat sich Azerbeidschan seit seiner Unabhängigkeit immer mehr der Türkei angenähert. Die kyrillische Schrift wurde durch das lateinische Alphabet abgelöst, der Großteil des azerbeidschanischen Öls läuft mittlerweile über eine Pipeline nach Ceyhan an die türkische Mittelmeerküste. Die Regierung von Heidar Alijew scheint entschlossen zu sein, sich über das NATO-Mitglied Türkei den Anschluss Azerbeidschans an den Westen erwerben zu wollen.
