BALUTSCHESTAN

Balutschestan ist eine Grenzregion an der der alte Iran und der indische Subkontinent aufeinanderstoßen. Obwohl das Gebiet eine sprachliche und kulturelle Einheit bildet, die von der Nomadenkultur der BalutschInnen dominiert ist, stellte es nie ein staatliches Gemeinwesen dar. Als karges Nomadenland erfüllte es vielmehr die Funktion einer Pufferzohne zwischen den Reichen Indiens und dem Iran.


Auch heute ist Balutschestan zwischen drei Staaten aufgeteilt. Die beiden größten Teile des von den NomadInnen der BalutschInnen besiedelten Gebietes gehören zu den heutigen Staaten Pakistan und Iran, aber auch in den südlichen Grenzregionen Afghanistans, in den Provinzen Nimroz, Helmand und Qandahar gibt es neben der Mehrheitsbevölkerung der PaschtunInnen, Minderheiten balutschischer NomadInnen.
Während die BalutschInnen aber in Afghanistan nur eine kleine Minderheit darstellen, bilden sie in der iranischen Provinz Sistan va Baluchestan und in der pakistanischen Provinz Baluchistan, die namensgebende Mehrheitsbevölkerung der Region. Noch heute leben große Teile der Bevölkerung dieser beiden Provinzen als NomadInnen in tribalen Strukturen. Die wenigen Städtischen Zentren der Region wie Zahedan, Cah Bahar oder Turbat sind erst in den letzten Jahrzehnten schnell gewachsen, stellen aber im Vergleich zu den urbanen Zentren des Iran und Pakistans immer noch Kleinstädte dar. Obwohl die BalutschInnen in den nach ihnen benannten Provinzen die Mehrheitsbevölkerung darstellen, sind sie in der Gesamtheit der iranischen und pakistanischen Bevölkerung eine kleine Mindherheit. Nur jeweils rund 3 % der Iraner und Pakistani sprechen Balutschi als Muttersprache.
Die BalutschInnen kamen erst im 12. und 13. Jahrhundert nach Christi vom zentralasiatischen Khorasan in das heutige Balutschestan. Das vordringen turksprachiger Stammesverbände hatte die iranischsprachigen BalutschInnen nach Süden verdrängt. Dort vermischten sich die Nomaden mit den ansäßigen Brahui, deren dravidische Sprache in Pakistan noch von einer knappen Million, im Iran jedoch nur noch von wenigen tausend Menschen gesprochen wird.
Obwohl heute immer mehr BalutschInnen in die Städte ziehen und dort in modernen Sektoren der Ökonomie arbeiten, sind die handwerklichen Produkte der NomadInnen eine wichtige Einnahmequelle.

Thomas Schmidinger

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