ISFAHAN
Isfahan kann eine lange Geschichte vorweisen, die vermutlich bis auf das Achämenidenreich zurückreicht. Zum Zeitpunkt der arabischen Eroberung der Stadt bestand sie auf zwei Teilen, der alten Stadt Jay, dem späteren Shahrestan und der außerhalb der Stadtmauern gelegenen Yahudiye, dem jüdischen Viertel.
Dieses große jüdische Viertel geht entweder auf die jüdische Frau des sasanidischen Herrschers Yazdegerd I. zurück, oder hat seine Wurzeln, einer lokalen Überlieferung zufolge, schon aus der Zeit der Befreiung aus der Babylonischen Gefangenschaft im 6. Jahrhundert vor Christi. Noch heute gibt es trotz der verstärkten Auswanderung der jüdischen Bevölkerung seit der Errichtung der Islamischen Republik, eine bedeutende jüdische Gemeinde und mehrere Synagogen in Isfahan. Neben alteingesessenen jüdischen Familien leben auch Nachkommen deutschsprachiger Jüdinnen und Juden in Isfahan, die sich vor dem nationalsozialistischen Vernichtungswahn in den Iran retten konnten.
Ihre Blüte erlebte die Stadt nachdem der Safawiden-Herrscher Shah Abbas I. sie im Jahre 1598 zur Hauptstadt Persiens erhob.
Die Safawiden, Angehörige eines schiitischen Mystikerordens, hatten 1501 Persien erobert. Unter ihrer Herrschaft wurde die Zwölfer-Schia zur Staatsreligion des Iran. Bis dahin dominierte, wie im Großteil der islamischen Welt, die Sunna den Iran. Erst unter der Herrschaft der Safawiden wurde der überwiegende Teil der iranischen Bevölkerung zu SchiitInnen.
Die Spaltung des Islam in Sunna und Schia, geht auf einen Machtkampf in der frühen islamischen Gemeinschaft, der umma, nach dem Tod des Propheten Muhammad zurück. Die Familie des altmekkanischen Adelshauses Omayya, einst die entschiedensten Gegner Muhammads, stritten sich mit Ali, dem Cousin und Schwiegersohn Muhammads, um die Nachfolge des Propheten. Bereits nachdem sich Ali einem weltlichen Schiedsgericht unterworfen hatte, hatten sich einige seiner engsten Gefolgsleute von ihm abgewandt und gingen unter dem Namen Kharigiten, als erste Sekte des Islam in die Geschichte ein. Auch nachdem Ali schließlich als vierter Khalif drei Khalifen aus der Familie Omayya nachfolgte, war der Streit zwischen Ali und den Omayyaden nicht beigelegt. Nach der Ermordung Alis durch einen Kharigiten konnte Muawiya aus der Familie Omayya wieder die Macht an sich reissen. Als der jüngere Sohn Alis, Husain, beim Regierungsantritt von Yazid, dem Sohn Muawiyas, versuchte seine Machtansprüche anzumelden, wurde er mit seinen Anhängern in einer Schlacht bei Kerbala von den Truppen Yazids vernichtet. Sein Todestag, der 10. Muharram, gilt seither seinen Anhängern als heiliger Passionstag an dem jedes Jahr Umzüge stattfinden, bei denen sich viele Gläubige unter Klagegeschrei selbst geisseln und verletzen.
Die Schlacht von Kerbala markiert die endgültige Trennung zwischen SchiitInnen, den AnhängerInnen Husains, und SunnitInnen, den AnhängerInnen der Omayyaden. Was als politischer Machtkampf begann, wurde im laufe der Jahrhunderte immer mehr auch zu einem theologisch-religiösen Unterschied.
Die SchiitInnen glauben, dass Muhammad kurz vor seinem Tode Ali, den ersten Imam, in die innersten Geheimnisse des Glaubens eingeweiht habe, der dieses esoterische Wissen seither in seiner Familie weitervererbt habe. Es wurde in der Vorstellung der SchiitInnen von einem Imam zum anderen weitervererbt. Aus dem Glauben an einen Imam ergaben sich innerhalb der Schia schon bald Auseinandersetzungen um den wahren Imam. Während die ZaiditInnen, die heute im Norden des Jemen verbreitet sind, Zaid als fünften Imam anerkannten, wurde dessen Bruder Muhammad al-Baqir zum fünften Imam der Hauptströmungen der SchiitInnen. Nach Gafar as-Sadiq als sechster Imam und Begründer der im Iran geltenden zwölferschiitischen Rechtsschule, spalteten sich die Schiiten erneut in die IsmailitInnen, die Gafar as-Sadiqs Sohn Ismail als siebten Imam anerkannten, und die ZwölferschiitInnenen, oder ImamitInnen, deren Imame sich bis zum 12. Imam fortsetzten. Der letzte, der 12. Imam, Muhammad al-Mahdi, verschwand bereits als Kind und gilt seither als entrückt. Gläubige SchiitInnen erwarten seither seine Wiederkehr.
Die Gräber der Imame, insbesondere jene in Kerbala, Nagaf und Qum, werden regelmäßig von schiitischen Pilgern und Pilgerinnen aufgesucht. Ausser dem Grab des achten Imam, Imam Ali Reza, der in Mashhad bestattet ist, liegen alle diese heilige Stätten aber nicht im Iran, sondern im heutigen Iraq, wohin auch in der Gegenwart viele schiitische IranerInnen pilgern.
Innerhalb der iranischen Schia entwickelten sich, wie in vielen Teilen der sunnitischen Welt, mystische Richtungen von Sufi- und Derwischorden, die in ihren Glaubensvorstellungen teilweise beträchtlich von der Hauptstömung der Schia abweichen.
Im 19. Jahrhundert entstand aus der Schia der Babismus, aus dem sich unter Bahaullah wiederum die Religion der Bahai formte. Die Bahai betrachten sich als neue Weltreligion und werden im Iran, insbesondere seit der Ausrufung der islamischen Republik, als Abtrünnige verfolgt.
Eine Sonderstellung nimmt für viele schiitische IranerInnen Ayatollah Khomeini ein, der vor allem als überragende religiöse Autorität gilt, aber stets bestritten hat, der "verschwundene Imam" zu sein. Trotzdem hat sich um das Grabmausoleum Ayatollah Khomeinis im Süden Teherans ein Kult um den Gründer der Islamischen Republik Iran entwickelt, der aber innerhalb der schiitischen Geistlichkeit nicht völlig unumstritten ist.
Thomas Schmidinger
DONALDSON, Dwight M.:
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GRAMLICH, Richard:
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HALM, Heinz:
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SCHIMMEL, Annemarie:
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